Wann hast du zum letzten Mal dein Glas übervoll eingeschenkt? Einfach so lange weitergegossen, bis eine große Pfütze auf dem Tisch entstand? Ich wage die Vermutung, dass das schon lange her ist – oder vielleicht sogar noch nie absichtlich passiert ist. Es wäre ja auch völlige Verschwendung, und aufwischen will das am Ende auch keiner.
Neulich konnte ich im schwedischen Möbelhaus meines Vertrauens ein Mädchen beobachten, das genau das getan hat. An der Getränke-Selbstbedienung sprudelte ihr Getränk über den Rand, lief am Glas entlang und tropfte nach unten. Und soll ich dir etwas verraten? Es ist überhaupt nichts Schlimmes passiert. Kein Drama, kein Geschimpfe – sie hat das Glas einfach mitgenommen.
Als Kind habe ich Psalm 23 auswendig gelernt. In Vers 5 heißt es: "Du bereitest vor mir einen Tisch angesichts meiner Feinde; du hast mein Haupt mit Öl gesalbt, mein Becher fließt über." Was mich an diesem und auch an den anderen Versen des Psalms am meisten fasziniert: Gott ist so unglaublich verschwenderisch. Er geht immer noch ein Stück weiter.
"Du bereitest vor mir einen Tisch angesichts meiner Feinde; du hast mein Haupt mit Öl gesalbt, mein Becher fließt über."
Psalm 23,5
David bekennt, wie gut Gott zu ihm – zu uns – ist. Gott gibt nicht das Minimum, sondern absolut alles. Und noch mehr. Nichts wird dir mangeln. Er schickt dich, sein Schäflein, nicht auf irgendeine kleine Wiese mit einem dreckigen Wassertrog, sondern er führt dich auf eine traumhafte Weide mit stillem, köstlichem Wasser. Wenn du durch dunkle Täler gehst, musst du dich nicht einmal fürchten. Deinen Feinden zeigt Gott ganz klar, wie besonders du für ihn bist. Er salbt dich – wie einen König. Gott salbt mich wie einen König!?!? Lass dir das einmal auf der Zunge zergehen. Und dann lässt er deinen Becher auch noch überfließen.
Gott tut all dies, obwohl er uns so gut kennt. Weder du noch ich haben irgendetwas dazu beigetragen. Diese Behandlung erhalten wir nicht, weil wir so unglaublich gute Menschen sind – wir wissen beide, dass unser Verhalten oft eher das Gegenteil verdient hätte. Wie groß muss diese Liebe sein, dass Gott so verschwenderisch segnet?
Bist du bereit, das anzunehmen? Diese überströmende, verschwenderische Liebe Gottes? Ist dir bewusst, dass du dafür nichts tun musst – und nichts tun kannst?
Diesen Monat feiern wir Karfreitag und Ostern. Zwei Feste, die ein riesiges Zeugnis von Gottes bedingungsloser Liebe sind. Und ja, aus dieser Liebe wächst vieles – wir dürfen sie weitergeben.
Aber nimm dir doch einmal einen Moment und genieße sie einfach. Sauge sie in dich auf, sei ganz da und lasse dein Glas überlaufen. Und auch wenn es vielleicht deiner Erziehung widerspricht, verspreche ich dir: Wenn man das Glas überlaufen lässt, passiert gar nichts Schlimmes…
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