Warten, ob da Hoffnung ist – Advent

Advent heißt auch warten - ErwartungWarten als Herausforderung

Advent ist im Dezember – ein Slogan der evangelischen Kirche gegen den Zeitgeist, denn kaum hat der September begonnen, stehen die Weihnachtssüßigkeiten schon im Regal. Warten kann ja auch manchmal ganz schön nervig sein – in der Schlange an der Kasse, im Wartezimmer des Arztes, auf dem Amt… Und das in einer Welt, die es doch so eilig hat und in der die Zeit zu rennen scheint. Doch dann kommt er immer wieder sehr plötzlich – dieser Advent, die Zeit des Wartens und des Bereitmachens. Realistischerweise ist die Zeit oft eher gefüllt mit vielen stressigen Momenten. Der Kalender hält viele Termine bereit und die Weihnachtsvorbereitungen müssen ja auch noch irgendwo untergebracht werden. Und sollten wir doch irgendwo warten müssen, dann haben wir ja glücklicherweise ein Smartphone, das uns die „Langeweile“ vertreibt. Wissenschaftler meinen, wir verlernen das Warten. „Das Warten – so unangenehm es sein konnte – hatte etwas Positives“, meint der Kommunikationswissenschaftler Peter Vorderer von der Universität Mannheim. „Das war dieser Moment der Kontemplation. Ein Moment der Pause. Man ließ die Welt auf sich wirken. Man konnte nachdenken.“

Warten, ob da Hoffnung ist

Schlaflose Nächte, ewige Gedankenkreisel, Ausweglosigkeit, stetig wachsende Ängste, Sorgen und Nöte – solche Situationen kennen wir wahrscheinlich auch. In diesen dunklen Stunden sehnen wir uns schmerzlich nach dem erlösenden Moment und das Warten wird zur Qual. Der Beter des Psalms 130 befindet sich in solch einer schmerzlichen Situation. Ihm wird die Ausweglosigkeit seiner eigenen Schuld bewusst und er fleht um Gnade. Er wartet, ob da Hoffnung ist.

„Meine Seele wartet auf den Herrn mehr als die Wächter auf den Morgen.“
Psalm 130,6

Warten auf den Morgen, den Neubeginn, denn die aufgehende Sonne vertreibt das Dunkel der Nacht. Die Wächter der Stadt sehnten diesen neuen Morgen nicht nur herbei, weil sie dann Schichtende hatten. Vor allem weil dann die Zeit der größten Gefahren und Bedrohungen für ihre Stadt wieder vorüber war.

Im Weihnachtslied „Ich steh an deiner Krippe hier“ von Paul Gerhardt singen wir „Ich lag in tiefster Todesnacht, du warest meine Sonne“. Im Advent warten wir auf das Licht, dass da ganz leise und menschennah in einer Krippe zur Welt kam und die Herzen derer erleuchtet, die sich hoffnungsvoll auf den Weg machen.

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Ich wünsche euch eine erfüllte und segensreiche Wartezeit in diesem Advent und vielleicht lässt der ein oder andere das Smartphone mal für einen kontemplativen Moment in der Tasche.

Über Lydia Schädlich

Als Referentin im CVJM Sachsen bin ich vor allem für die Bereiche FSJ und Jugendsozialarbeit unterwegs. Junge Menschen auf einem sehr prägenden Stück Lebensweg zu begleiten, zu beraten, sie zu fördern und herauszufordern, ist mein Herzensanliegen für diese Arbeit. Mir ist es wichtig, Menschen als ganzheitliche Geschöpfe Gottes zu sehen, ihnen in ihrer aktuellen Lebenssituation zu begegnen, ihre Ressourcen und Begabungen zu erkennen und zu fördern. In der Jugendsozialarbeit möchte ich Haupt- und Ehrenamtliche in dieser Arbeit unterstützen und ein offenes Ohr für ihre Anliegen haben. Ich freue mich, dass wir als Christen im CVJM gemeinsam unterwegs sind, um in dieser Welt an verschiedenen Stellen Licht zu sein.

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