Unser Körper – ein Tempel des Heiligen Geistes?

Nachgedacht zum Monatsspruch Mai 2016

Wisst ihr nicht, dass euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes in euch ist, der in euch lebt und euch von Gott geschenkt wurde? Ihr gehört nicht euch selbst. 1.Korinther 6, 19

Erwischt!

Ja, das weiß ich, aber wie sieht es da bei mir persönlich grad aus? Ist mein Körper tatsächlich wie so ein Tempel, in dem der Heilige Geist – also Gott – sich wohlfühlen würde? Wie gehe ich mit meinem Körper um? Wie pflege ich ihn, versorge ich ihn?

Das schießt mir beim Lesen dieser Zeilen als erstes durch den Kopf. Aber ist es auch das, was Paulus wirklich meinte? Um das zu verstehen, müssen wir uns den Kontext und die damaligen Verhältnisse in Korinth genauer anschauen:

Korinth zur Zeit des Paulus

Korinth ist zur Zeit von Paulus‘ 2. Missionsreise um 50 n. Chr. eine belebte Hafenstadt. Es pulsiert das Leben. Dort, inmitten des römisch-hellenistischen Heidentums, gründet Paulus eine christliche Gemeinde, die jedoch einige Zeit später etwas aus dem Ruder läuft. Neben Streitereien, Mobbing, Habgier, Diebstahl und Götzendienst war auch sexuell ausschweifendes Leben, z.B. Sex mit Prostituierten oder Minderjährigen an der Tagesordnung. Denn im griechischen Idealismus war die Seele das Wichtigste – der Körper war nur die äußere Hülle und somit war es auch sittlich egal, was man mit ihm macht.

Um seine Gemeinde wieder auf Kurs zu bringen, schreibt Paulus diesen Brief. Dabei erhebt er nicht seinen moralischen Zeigefinger oder verurteilt sie, sondern benennt ganz sachlich, dass dieses Verhalten Unzucht ist und wie sie mit den Versuchungen umgehen sollen, nämlich: „Haltet euch fern von aller Unzucht“ (V. 18). Sie sollen diese gefährlichen Neigungen nicht unterdrücken, bekämpfen oder ihnen widerstehen, sondern fliehen. „Denn Unzucht ist eine Sünde gegen den eigenen Körper“ (V. 18), weil sie nicht außerhalb des eigenen Körpers stattfindet, sondern ihn direkt betrifft und enorme Auswirkungen auf ihn hat.

Haltet euch fern!

Auch wir erleben in der Arbeit mit jungen Menschen häufig, wie sehr ihr Bild über Sexualität geprägt und verzerrt ist von den Bildern, Filmen und irrealen Darstellungen unserer Zeit. Im Umgang damit kann uns Paulus‘ klare Aufforderung eine Hilfe sein: „Haltet euch fern von aller Unzucht“, schaut weg, wenn ihr solche Bilder seht, schaltet den PC aus, wenn euch die Versuchung packt, haut ab.

„Oder wisst ihr nicht, dass euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes in euch ist, der in euch lebt und euch von Gott geschenkt wurde?“ (V. 19)

By Berthold Werner (Own work) [Public domain], via Wikimedia Commons

Herodianischer Tempel, Modell (zweiter Tempel) im Israel Museum

Unser Körper – ein Tempel?

Der Tempel in Jerusalem – das Haus Gottes – war ein prunkvoller Bau voll edelster Hölzer, kostbarstem Baumaterial, voller Edelsteine und mit Gold überzogenen Wänden, Türen und Fußböden. Welch ein Glanz! Welch Strahlkraft! Dieser Glanz sollte die Herrlichkeit des Herrn widerspiegeln. Der Tempel war ein Symbol für die Gegenwart Gottes: der heilige Gott hat Gemeinschaft mit seinem sündigen Volk.

Wie sieht es also jetzt in unserem Körper aus? Wie steht es mit meinen Gewohnheiten? Ist mein Leib tatsächlich ein Tempel des Heiligen Geistes? Würde „er“ sich dort wohl fühlen? Würde er dort gern wohnen? Paulus bezieht seine Worte zwar eher auf die sexuelle Unreinheit, aber abgesehen vom tatsächlich grenzwertigen Umgang mit Sexualität in dieser Welt, stellt sich mir trotzdem die Frage, wie ich ansonsten mit meinem Körper umgehe. Mein Leib ist ein Geschenk Gottes an mich – durch meinen Umgang mit ihm gebe ich Gott als meinem Schöpfer die Ehre! Also sollte ich doch eigentlich alles dafür tun, dass sich der Heilige Geist in meinem Körper wohl fühlt, damit er sich ausbreiten und immer mehr Raum einnehmen kann.

Frühjahrsputz

Vielleicht sollte ich mir diesen Vers im kommenden Monat zu Herzen nehmen und so ’ne Art Frühjahrsputz mit meinem Körper durchführen: bissl aufräumen, ausmisten, reinigen, meine Schlaf-, Ess-, Arbeits- und Sportverhalten überdenken, schlechte Gewohnheiten über Bord werfen und achtsamer mit meinem Körper umgehen – schließlich ist er das Haus Gottes: rein, glänzend, strahlend, erfüllt von der Herrlichkeit des Herrn?!

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