„Vor einem grauen Haupt sollst du aufstehen“

Monatsspruch März:
„Vor einem grauen Haupt sollst du aufstehen und die Alten ehren und sollst dich fürchten vor deinem Gott; ich bin der Herr.“ 3. Mose 19,32

Bei diesem Vers läuft ein innerer Film in mir ab: Wir sind zu einer Freizeit unterwegs und am Ende wird den Mitarbeitern für ihr besonderes Engagement gedankt. Zuletzt kommt die Küche dran. Die Küchenmitarbeiter treten nach vorne. Die gesamte Gruppe applaudiert wie bei allen anderen auch, doch jetzt erhebt sie sich. Die älteren Mitarbeiter, welche 14 Tage nonstop im Hintergrund gewirbelt haben, werden jetzt gesehen – sie erhalten ein unvergessliches Ansehen und eine Würdigung ihrer Person.

Im dritten Mosebuch werden uns Regeln nahegelegt, die unser alltägliches Leben heiligen sollen. Dabei sollen wir uns vor den Alten erheben und sie ehren. Das wird in einem Zuge genannt, wie wir Gott fürchten sollen und ihn als Herrn in unserem Leben anerkennen sollen. Gott bürgt mit seiner eigenen Autorität für diesen Verhaltensgrundsatz. Das scheint ihm also besonders wichtig zu sein.

Die Alten ehren ist nicht immer einfach

Doch mal ehrlich, ganz so einfach ist das im Alltag doch gar nicht. Häufig ist die Flexibilität der Alten ziemlich eingeschränkt. Da gibt es beispielsweise Sonntags Punkt 12.00 Uhr Mittagessen, wo die junge Familie vielleicht noch gar nicht hungrig ist, weil das Frühstück noch gar nicht so lange zurückliegt. Oder die Kinder müssen besonders ordentlich essen und zu spielen gibt es auch nicht so interessante Sachen. Die Lust auf einen ehrwürdigen Besuch ist folglich begrenzt.

Es treffen manchmal Lebenswelten aufeinander, die nicht so einfach passfähig sind. Die Aufforderung, die Alten zu ehren, kann zu einer wahren Herausforderung werden. Doch glücklicherweise gibt es auch die schönen Erfahrungen. Opa sitzt mit seinen Enkeln auf der Coach und liest vor. Und plötzlich fängt er an zu erzählen, was er als Kind alles erlebt hat, welche Dummheiten er gemacht hat und was er von seinen Großeltern lernen konnte. Die Enkel hören ihm aufmerksam zu.

die Alten ehren durch Zuhören

die Alten ehren durch Zuhören
Foto: Archiv CVJM Sachsen

Den anderen zu ehren, bedeutet, ihm eine besondere Aufmerksamkeit zukommen zu lassen. Zeit ist ein wichtiges Stichwort – häufig ist sie viel mehr Wert als ein Geldschein.

Was kann es noch bedeuten, die Alten zu ehren?

  • Darauf zu achten, dass sie ein würdiges Leben im Alter führen können, dass sie gut versorgt sind und es Menschen gibt, die sich um sie kümmern.
  • Ehren heißt, sie um ihren guten Rat zu befragen und ihnen das letzte Wort zuzugestehen – auch wenn man vielleicht anderer Meinung ist.
  • Ehren heißt, ihre Arbeit und ihr Lebenswerk zu achten. Ehren muss jedoch nicht heißen, dasselbe zu tun, was sie getan haben. Denn wenn wir das tun, was unsere Väter tun, so haben wir nicht dasselbe getan. Das Leben schreibt sich fort und da bedarf es heute anderer Methoden und Ansätze als vor 30 oder 50 Jahren.

Knifflig wird es auch, wenn wir einen Blick ins Neue Testament werfen. Dort stoßen wir auf die Geschichte, wo Jesus seine Jünger in die Nachfolge ruft und ihnen verbietet, erst den eigenen verstorbenen Vater zu begraben. Oder wo er eine größere Liebe zu sich als den eigenen Eltern einfordert.

Das Zusammenleben der Generationen bleibt eine Herausforderung, doch auch eine unheimliche Chance. Ich möchte mich durch das mosaische Gesetz herausfordern lassen, den Älteren unserer Gesellschaft Ehre zu erweisen. Am besten, ich nehme mir heute noch einen Besuch eines älteren Menschen vor. Und mal sehen, wer mir heute über den Weg läuft, den ich ehren kann? Es liegt ein göttliches Segensgeheimnis darin.

 

Über Maren Schob

Im CVJM ist mein Fokus auf die Mitarbeiter gerichtet. Ich möchte gerne dazu beitragen, dass junge Menschen ihr Potential entfalten können und CVJMs Orte sind, wo Glaube wachsen und Gottes Liebe sichtbar wird. Das nötige Handwerkszeug habe ich in vielfältiger ehren- und hauptamtlicher Arbeit, meiner Ausbildung beim CVJM in Kassel und der Ev. Hochschule für Soziale Arbeit in Dresden erlernt. Als Familie leben wir gerne in Dresden und genießen unsere Freizeit im Grünen und in der Begegnung mit anderen Menschen.

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