Vergesst die Gastfreundschaft nicht!

Monatsspruch für Juni:

Vergesst die Gastfreundschaft nicht; denn durch sie haben einige, ohne es zu ahnen, Engel beherbergt.
Hebräer 13,2

Es klingelt an der Tür. Ein kurzer Blick in meine Wohnung versetzt mich in kurzzeitige Panik: Ich erwarte eigentlich keine Gäste und habe doch gar nicht aufgeräumt. Noch dazu ist der Kühlschrank leer, Einkauf ist erst morgen dran. Vielleicht tu ich einfach so, als wäre ich nicht da?!

Ja, für Gäste räume ich gern auf, überlege mir Leckereien und möchte, dass sie sich bei mir wohl fühlen. Also, ich meine damit die angemeldeten Gäste, deren Besuch ich meine Aufräum- und Bewirtungsmöglichkeiten sowie meine Alltagstermine anpassen kann. Da der Bibelvers aber in einer Reihe von Empfehlungen steht, schaue ich schnell in den Duden und lese:

Gastfreundschaft. Die Gastfreundschaft ist die freundliche Gesinnung, die einem Besucher von seinem Gastfreund bei seiner Beherbergung, Bewirtung und Unterhaltung entgegengebracht wird.“

Interessant ist, dass der Besucher hierbei nicht näher definiert wird, wohl aber die Gesinnung, die ihm entgegengebracht wird. Der Besuch wird sogar zum Freund, für den die Bereitschaft besteht, richtig in die Vollen zu gehen.

Als es noch nicht in jedem Ort eine Pension oder ein Hotel gab, man nicht zur Not auch in einem Auto übernachten konnte, waren Menschen darauf angewiesen, dass ein Ortsansässiger ihnen als Fremde gastfreundlich begegnet. Jedes Krippenspiel zeigt uns, wie damals zwei Menschen verzweifelt genau danach gesucht haben. Dabei entdecke ich, dass sich Gastfreundschaft eben nicht nur auf die vier eigenen Wände bezieht. Einem fremden Menschen mit wohlwollender Gesinnung zu begegnen, ihm Freundlichkeit zu erweisen und in ihm den Wert zu sehen, mein Gast zu sein, steckt da auch drin.

„Vergesst die Gastfreundschaft nicht; denn durch sie haben einige, ohne es zu ahnen, Engel beherbergt.“    Hebräer 13,2

In der Bibel sind Engel in der direkten Begegnung mit Menschen Boten und Abgesandte, sie verkünden etwas, sie eröffnen neue Möglichkeiten. Das geschah in der Weihnachtsgeschichte mit einem sehr spektakulären Auftritt und hat die Hirten sofort getroffen. Sara wiederum reagierte kritisch und skeptisch, weil das Verkündete zu absurd erschien und sie musste erst von Botschaft und Überbringern überzeugt werden. Auch ich werde sicherlich nicht sofort in jedem Gast einen Engel entdecken. Dennoch kann jede Begegnung und jedes Gespräch mit einem anderen Menschen dazu beitragen, meinen Horizont zu erweitern und mir neue Möglichkeiten, andere Denkweisen und Erkenntnisse aufzeigen.

Vielleicht klingelt ja wirklich mal jemand an der Tür, dem es völlig egal ist, ob ich aufgeräumt habe, weil er oder sie einfach eine freundliche Gesinnung braucht. Und vielleicht habe ich dann ohne es zu merken, einen Engel beherbergt.