„Jugendwerkstätten Umkehrschwung“ muss schließen

Martina & Dr. Alexander Mitwalsky, die Gründer der JUGENDWERKSTÄTTEN UMKEHRSCHWUNG gGmbH schreiben dazu:

Mit Bedauern geben wir die Schließung der Jugendwerkstätten Umkehrschwung bekannt. Nach monatelangem Ringen mit Behörden, Ministerien und Politik ist weiterhin keine Förderung unserer Einrichtung in Sicht. Bereits Ende August lief unser Vertrag mit dem Jugendamt Dresden aus. In der Hoffnung noch Lösungen zu finden, ließen wir der Umkehrschwung in den vergangenen beiden Monate aus eigenen Mitteln weiterlaufen. Diesen Zustand können wir nicht länger aufrecht erhalten, da wir eine geordnete Abwicklung gewährleisten möchten. Deshalb ziehen wir nun die Konsequenzen.

Jahre erfolgreicher Arbeit

Hinter uns liegen 6 ½ Jahre erfolgreicher Arbeit. Wir konnten viele junge Menschen aus nah und fern auf ihrem Lebensweg positiv begleiten und stärken. Das Jugendamt Dresden stellte uns immer wieder beste Bewertungen unserer Arbeit aus.

Praktische Ausbildung in den Jugendwerkstätten UmkehrschwungIm April 2010 begannen wir aus bürgerschaftlichem Engagement und christlichem Glaubensfundament heraus zusammen mit unserem Team, benachteiligte Jugendliche auf ihrem Weg in Ausbildung und Beruf zu fördern. Daraus entwickelten wir uns in kurzer Zeit als Träger der freien Jugendhilfe und Mitglied im Dachverband des CVJM Sachsen zu einem vollwertigen Mitglied der Jugendberufshilfe in Dresden. Zunehmend gelangten auch jugendliche Asylbewerber in unser Programm. Im Zuge der Flüchtlingskrise und auf Anfrage des Jugendamtes Dresden hin öffneten wir unsere Einrichtung ab Herbst 2015 primär für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Qualifizierter Sprachunterricht  in den Jugendwerkstätten UmkehrschwungDie Flüchtlinge, die zumeist Analphabeten waren mit wenig bis keiner Schulvorbildung, erhielten qualifizierten Deutsch-Unterricht und Vermittlung handwerklicher Grundkenntnisse im Bereich Holz und Metall. Unser bestens qualifiziertes Team, bestehend aus zwei Werkstatt-Fachanleitern, einer Deutsch-als-Fremdsprache-Dozentin und Sozialpädagogen, förderte und stabilisierte mit großem Engagement die jungen Männer. Dabei wurde uns die erfolgreiche Arbeit der Jugendwerkstätten Umkehrschwung immer wieder von externen Fachleuten bestätigt.

Behörden beschließen das „Aus“

Allerdings geriet der Umkehrschwung sehr bald in die Schusslinie zwischen Jugendamt Dresden einerseits und Sächsischer Bildungsagentur/ Kultusministerium andererseits. Da es sich um unter 18-Jährige handelte, unterliegt der Bildungsauftrag und damit die Finanzierung aufgrund der Schulpflicht der Sächsischen Bildungsagentur/ Kultusministerium. Das Jugendamt Dresden sah sich deshalb nicht weiter in der finanziellen Verantwortung und erkannte darüber hinaus auch keinen weiterreichenden Bedarf für ein solches Projekt. Damit lief der Vertrag zwischen dem Jugendamt Dresden und unserer Einrichtung Ende August endgültig aus.

Da sich diese finanzielle Patt-Situation ab Frühjahr abzeichnete, bemühten wir uns auf verschiedenen Ebenen um Lösungen zur Fortführung des Projektes, immer bereit das Projekt entsprechend zu modifizieren. Denn unserer Erfahrung nach besteht weiterhin Bedarf, die jungen Flüchtlinge speziell zu fördern und aufzufangen, wie in einschlägigen Berichten in den Medien ebenfalls nachzulesen ist. Die enge räumliche und personelle Verknüpfung aus fachlicher Wissensvermittlung, Deutsch-Unterricht und persönlicher Betreuung, wie sie in unserem Projekt realisiert wurde, gibt den jungen Flüchtlingen den persönlichen Halt und die Sicherheit, die sie in dieser fremden Kultur brauchen.

Gespräche mit entsprechenden Fach-Referatsleitern des Sächs. Kultusministeriums, des Sächs. Sozialministeriums und mit der Regionalstelle der Sächsischen Bildungsagentur führten zu keinen Ergebnissen, da sich unserer Beobachtung nach keiner unserer Gesprächspartner in der Verantwortung für ein solches Projekt sah. Vorgeschlagen wurden uns von Seiten des Sächs. Sozialministeriums als mögliche Lösung mit offenem Ausgang, die Bewerbung auf Förderprogramme für 2017.

Angestrebte Gespräche mit dem Oberbürgermeister und der Dresdner Sozialbürgermeisterin konnten nicht realisiert werden. Schriftlicher Kontakt zur Staatsministerin für Gleichstellung und Integration blieb folgenlos. Der Sächsische Ausländerbeauftragte bemühte sich um unser Projekt –ergebnislos.

Erfolgreiche Arbeit der Jugendwerkstätten Umkehrschwung wird angeblich nicht benötigt

Inzwischen war Ende August unser Vertrag ausgelaufen. Ein hochmotiviertes, bestens eingespieltes Team mit viel Erfahrung sah sich ab September mit der Tatsache konfrontiert, dass für ihre Expertise und Engagement kein Bedarf mehr bestand. Immer noch auf Lösungen hoffend, suchten wir im September und Oktober weitere Kontakte zu aktivieren. Mitte Oktober kam es auf Vermittlung unseres hiesigen Landtagsabgeordneten in unserer Einrichtung zu einem Treffen mit Vertretern der Agentur für Arbeit/Jobcenter unter Beteiligung des Jugendamtes. Dabei wurden wir seitens leitender Mitarbeiter der Bundesagentur für Arbeit/Jobcenter darauf hingewiesen, dass wir uns unter Erfüllung vorgegebener Voraussetzungen natürlich auf Projekt-Ausschreibungen bewerben könnten. Die Trägerlandschaft in Dresden sei aber gut abgedeckt und eigentlich bestünde kein wirklicher Bedarf für weitere Projekt dieser Art.

Fazit aller Bemühungen: man braucht die Erfahrung und das Engagement des Umkehrschwung-Teams nicht, weil kein Bedarf unter jungen Flüchtlingen für handwerkliche Förderung mit berufsbezogener Sprachvermittlung und persönlicher Stabilisierung mehr besteht. Auch die Rückkehr zu unserem ursprünglichen Teilnehmerkreis, benachteiligt deutsche Jugendliche, ist aufgrund der im Frühsommer abgelaufenen Antragsfristen für Förderprogramme dieses Personenkreises nicht mehr möglich.

Aus dem Büro des Landtagsabgeordneten erhielt ich in diesen Tagen abschließend die Information, dass die Politik in vielen Fällen der Verwaltung gegenüber machtlos sei und aus diesem Grund seitens der Politik nichts für uns bewegt werden könne. Ob ich da richtig gehört habe?

Flughafen Dresden war Unterstützer

Allerdings gibt es auch Gutes zu berichten. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Flughafens Dresden haben unsere Arbeit auf vielfältige Weise unterstützt. Dafür bedanken wie uns aufs Herzlichste! Neben verschiedensten Aufträgen kam es im Juni diesen Jahres über das ‚Spende dein Pfand‘ Projekt zu einer weiter vertieften Kooperation. Daran war auch Der Grüne Punkt –Duales System Deutschland GmbH beteiligt. Mit der Schließung wird leider auch diese gute Zusammenarbeit zum Erliegen kommen.

Darüber hinaus bedanken wir uns bei der großen Zahl an Freunden und Unterstützern des Umkehrschwungs, die uns über die Jahre aufs unterschiedlichste mit Rat, Tat und Spenden zur Seite gestanden sind. Vergelt’s Gott!

Wir verabschieden uns mit herzlichen Grüßen,

Martina und Alexander Mitwalsky und das Team des Umkehrschwungs

Über Thomas Richter

geboren 1960 mitten in Sachsen, verheiratet mit der besten Ehefrau der Welt, vier erwachsene Kinder. Seit 1990 bin ich im CVJM Sachsen für Technik und Layout zuständig. Mein Arbeitsgebiet verändert sich ständig, dadurch wird es nicht langweilig :-) Die Möglichkeiten des Internets für unseren lebendigen Gott zu nutzen, macht mir besonders Freude.

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